Trommel bespannen

Ganz gleich, wie gut die Qualität eines Trommelfells und die Verarbeitung ist, irgendwann reißt auch das Beste. Zeit für ein Neues! Es ist möglich, eine Trommel zur Reparatur zu geben, viel spannender ist es jedoch, es selbst zu versuchen. Im folgenden sei kurz dargestellt, wie eine Kpanlogo zu einem neuen Fell kommen kann.

 

Das Fell

An erster Stelle steht die Beschaffung eines geeigneten neuen Felles. Die Kpanlogo wird traditionell in ihrer „Heimat“ Ghana mit Antilope bespannt. Die ist in diesen Breitengraden natürlich nicht zu organisieren. Es heißt, Kalb, dickhäutige Ziege, Damwild oder Rehwild wäre geeignet. Am besten sind zumindest die beiden letztgenannten über einen Jäger zu beziehen.

Aus eigener Erfahrung hat sich zumindest Damwild aus dem Wildgehege (und dazu noch im Winterfell) nicht bewährt. Die Haut ist einfach zu fett, trocknet schlecht und ist nicht elastisch genug um am Ende einen guten Klang zu erzeugen.

Die Decke (wie in Jägerkreisen die Haut bzw. das Fell genannt wird) eines jungen Rehbockes aus freier Wildbahn ist zwar nicht die Größte, ist aber von der Stärke her besser geeignet – wenn auch eher recht dünn. Die Bearbeitung ist wesentlich einfacher und auch vom Klang her ist das Ergebnis besser.

Da nicht jederzeit ein neues Trommelfell zur Verfügung steht, wenn eines gebraucht wird, bzw. wenn ein Fell gerissen ist nicht unbedingt gleich ein Fell zur Hand ist, kann man das Fell auch einfrieren und bei Bedarf schonend (am besten im Kühlschrank) auftauen.

 

Die Schnur

Als Spannschnur sollte Kpanlogo-Schnur genutzt werden (in der Regel bietet jeder gute Handel, der Kpanlogo Trommeln im Sortiment hat, auch diese Spannschnur an – zumindest auf Nachfrage). Schnüre für Djembé sind zu dick, gingen im Notfall jedoch auch.

 

Anleitung

Trommelkörper ohne Fell und Pflöcke

Trommelkörper ohne Fell und Pflöcke

Zunächst muss das alte Fell von der Trommel abgenommen werden. Hierzu die Pflöcke von innen aus der Trommel herausschlagen. Gegebenenfalls den Trommelrand dann noch einmal glatt und gerade schleifen.

Um sicher zu gehen, dass die Pflöcke am Ende auch wieder passen, die Pflöcke und Löcher vorher durchnummerieren.

 

 

 

 

Reinigung der Decke

Reinigung der Decke

Die Decke (bzw. das neue, frische Fell) muss von Fleischresten befreit werden. Hier lohnt es sich gründlich zu sein. Das Fleisch mit den Fingern abzuziehen ist besser, als mit dem Messer abzuschneiden. Damit wird auch vermiden, versehentlich in die Haut zu schneiden und das Fell unbrauchbar zu machen.

Zum Maß nehmen das Fell glatt auf dem Boden ausbreiten. Gegebenenfalls sogar auf einem Holzbrett mit Nägeln fixieren. Die Trommel mit der zu bespannenden Seite auf die Haut platzieren. Hier darauf achten, dass nach Möglichkeit die Haut überall gleich stark ist. Idealerweise geht das „Rückgrat“ genau durch die Mitte der Trommelfläche.

 

Vorstanzen der Löcher

Vorstanzen der Löcher

Mit einem wasserfesten Filzschreiber den Umriss abzeichnen, gerne etwas großzügiger, d.h. mit etwa 1cm Zuschlag. Auf diesem Umriss werden je Pflock vier gleichmäßig verteilte Löcher aufgezeichnet und auf einem zweiten Kreis, der im etwa 2cm Abstand zum ersten gezeichnet wird, ebenfalls. Diese Löcher können mit einer Lochzange vorgestanzt werden.

 

 

 

 

Einnähen der Spannschnur

Einnähen der Spannschnur

Als nächstes wird die Spannschnur eingenäht. Die Schlaufen müssen zur Mitte des Fells zeigen. Hilfreich ist ein stabiler Draht, der wie eine Häkelnadel genutzt wird, um das Seil durch die vorgestanzten Löcher zu ziehen.

Im „Original“ wird noch ein Ring aus biegsamem, dünnem Holz in den entstehenden Hauttunnel eingenäht. Dies verleiht dem Rand mehr Stabilität. Da dieses Material auch bricht, wird im modernen Trommelbau auch ein herkömmliches Stromkabel verwendet.

 

 

 

Das neue Fell auflegen und anpflocken

Das neue Fell auflegen und anpflocken

Ist die Spannschnur einmal rund eingezogen, kann die Haut auf die Trommel gelegt werden – die Fellseite nach oben. Jeweils vier Schlaufen der Spannschnur werden um einen Pflock gelegt. Und dann wird die Schnur festgezogen. Wobei immer darauf geachtet werden muss, dass die Haut gleichmäßige Spannung erfährt und auch mittig auf der Trommel aufliegt.

 

 

 

 

 

Trocknen der neu bespannten Trommel

Trocknen der neu bespannten Trommel

Ist die Schnur unter leichte Spannung gebracht, werden die Schnurenden miteinander verknotet und die Trommel an einen warmen und gut gelüfteten Ort zum Trocknen aufgestellt.

Beginnt das Fell beim Trocknen zu stinken oder wellt sich die Haut leicht, nicht gleich alles wegwerfen. Der Geruch wird weniger sobald die Haut getrocknet ist und die Spielfläche geschoren. Wenn auf das Fell mehr Spannung durch Einschlagen der Pflöcke gegeben wird, zieht sich das Fell auch wieder glatt.

 

 

 

Die geschorene Spielfläche der neu bespannten Trommel

Die geschorene Spielfläche der neu bespannten Trommel

Sobald das neue Trommelfell getrocknet ist, kann die Spielfäche geschoren werden. Hierzu eine scharfe Klinge ohne Druck über das Trommelfell ziehen und auf diese Weise die Haare abschaben.

Wenn auf das Fell allein durch Einschlagen der Pföcke keine Spannung mehr gegeben werden kann, können die vier Schlaufen auch ineinander verdreht werden. Also nacheinander die Pflöcke herausschlagen, die vier Schlaufen übereinandergelegt nehmen und durch rollen miteinander verzwirbeln. Dann den Pflock wieder durchstecken und festschlagen.

 

 

 

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